Die Idee
Ein einziger, durchgehender Faden soll möglichst alle rund 11.000 Haushalte in Calws Kernstadt und Teilorten miteinander verbinden.
Jedes Stück davon stammt von den Calwerinnen und Calwern selbst. Gemeinsam wird gesammelt, geknüpft und durch Häuser, Gärten, Straßen und Plätze verlegt – eine partizipative Vernetzungsskulptur im analogen Stadtraum.
Analog statt nur digital
Folgt der Digitalisierung die Analogisierung? Mit dieser Frage beschäftigen sich Frank und Patrik Riklin seit Jahren. Trotz ständiger Online-Kommunikation fühlen sich viele Menschen isolierter denn je. Das Fadennetz setzt dem eine provokant einfache Idee entgegen: ein Netz aus gewöhnlicher Schnur, das reale Begegnungen stiftet.
„Je digitaler die Welt, desto größer die Gefahr der Zombifizierung – desto mehr sollten wir gleichberechtigt ins Analoge investieren.“
Die Analogisierung ist keine Kampfansage an neue Technologien, sondern eine Ergänzung und eine Rückbesinnung auf das Greifbare. Pro und Contra gehören dazu: Die Idee darf irritieren und Gesprächsstoff liefern.


Anschluss garantiert
Ein Faden, ein Knoten, ein Nachbar – und schon seid ihr verbunden. Calw knüpft als erste Stadt in Deutschland ein Analoges Fadennetz.
„Wir sind wahrscheinlich die Letzten, die ein Glasfasernetz bekommen, aber vielleicht die Ersten, die sich ein Analoges Fadennetz bauen.“
Das Projekt in Zahlen
2
Konzeptkünstler
1
Stadt
10
Kernkomplizen
13
Fadenrollen
17
Fadensammelstellen
200
Kilometer Faden
11.000
Haushalte
25.000
Menschen, die zusammenhalten
1
großes Volksfadenfest
Ein Experiment
Das Netz soll aus der Bevölkerung heraus entstehen. Die Riklins geben den künstlerischen Impuls und einen Vorschlag für die Verlegung – den Rest machen die Calwerinnen und Calwer selbst.
Ob es gelingt, ist bewusst offen. Springt der Funke nicht über, gehört auch ein Abbruch zum künstlerischen Konzept: Schon der Streit über Sinn oder Unsinn des Vorhabens macht Sinn.
Die Kunst der Riklins ist eine Option, keine Mission.
Das Ziel
Gesammelt wird von November bis Januar, verlegt von November bis Mai. Bis Ende 2026 sollen bereits 30 Prozent der Calwer Haushalte miteinander verbunden sein, bis Mai 2027 möglichst alle 13 Stadtteile. Im Juni 2027 feiert Calw sein Analoges Fadennetz beim großen Volksfadenfest auf dem Marktplatz.

Die Künstler
Die Zwillingsbrüder Frank und Patrik Riklin (Jahrgang 1973) stammen aus St. Gallen. 1999 gründeten sie das Atelier für Sonderaufgaben – mit dem Ziel, unabhängige Kunst zu machen und Sonderaufgaben zu übernehmen, für die sich niemand so richtig zuständig fühlt.
Ihre Kunst verlässt den White Cube und setzt auf Beteiligung: Sie machen Menschen zu Komplizinnen und Komplizen ihrer Idee und schaffen so neue Wirklichkeiten. International bekannt wurden sie mit dem Null Stern Hotel (2008), Fliegen retten in Deppendorf (2012) und BIGNIK (seit 2012).
„Wer nicht spinnt, spinnt umso mehr.“
„Unsere Kunst muss nicht funktionieren, sie muss wirken.“
„Das Publikum betrachtet bei uns nicht einfach Kunstwerke, es wirkt an der Kunst mit.“
Gemeinsam weniger einsam
Der Calwer Verein DemiL – Demenz mitten im Leben bereitet 2027 als Jahr gegen die Einsamkeit vor: mit Monatsthemen von Nachbarschaft über Kultur bis zu Jung und Alt, getragen von vielen Vereinen und Initiativen der Region. Das Fadennetz ist dabei – als Faden, der sichtbar macht, was uns verbindet.
Zum Auftakt lädt DemiL am 17. November 2026 zu einem offenen Workshop ins Haus auf dem Wimberg ein. Alle, die Ideen, Räume, Kontakte oder Zeit mitbringen, sind willkommen.
Die Komplizen

Stadt Calw
Der Gemeinderat hat dem Vorhaben zugestimmt und sich zum Mitkomplizen der Künstler gemacht.

Innovationsfonds Kunst Baden-Württemberg
fördert das Projekt.

StadtLandKultur e.V.
Netzwerk für gesellschaftliches und kulturelles Miteinander im Landkreis Calw.

Kultur-Apotheke Calw
Das Kulturhaus am Marktplatz ist Fadensammelstelle und Ort für Gespräche über Sinn und Unsinn des Fadennetzes.

DemiL – Demenz mitten im Leben
Der Calwer Verein bereitet 2027 als Jahr gegen die Einsamkeit vor – das Fadennetz knüpft mit.